FREIE ASSOZIATION

Freies Assoziieren heißt, alles äußern, was man gerade erlebt und in sich wahrnimmt, was in einem geschieht: im Körper, in den Empfindungen und Gefühlen, in den Erinnerungen und Wünschen, in den Vorstellungen, der Phantasie und im Denken. Aber können wir frei assoziieren ohne jegliche Vorgabe? Oder gehen wir immer aus von einer Vorgabe oder Anregung.

Die freie Assoziation ist in der Freud’schen Behandlungstechnik die Hauptregel und die einzige unentbehrliche Methode um das Unbewusste zu erforschen. Sie stellt mit der „Traumdeutung“ und der „Analyse der Fehlleistungen“ eine der drei wichtigsten technischen Mittel der klassischen Psychoanalyse dar. Der Patient soll in der Therapie seinen Einfällen (Assoziationen) zu Personen, Ereignissen, Dingen oder Symbolen völlig freien Lauf lassen, ohne seine Äußerungen zu zensieren, auch wenn sie ihm als unpassend, unangenehm, sittenwidrig, unsinnig oder unwichtig erscheinen.

Es erheben sich zwei Fragen: was ist frei assoziieren „ohne jegliche Vorgabe“, was bedeutet es,  den Assoziationen „völlig freien Lauf lassen“. Die erste Frage betrifft das Setting, die zweite Frage die innere Bereitschaft. Auf beide Fragen lautet die Antwort: ist immer nur eingeschränkt möglich. Der Raum ist nie völlig leer, Vorgaben sind also unausweichlich vorhanden. Der völlig freie Lauf der Gedanken lässt Verbote nicht zu, Zensurverbote sind auch Verbote.

„Freie Assoziation“ ist eine gedankliche Konstruktion, wie etwa die Leere oder das Nichts, die in der Wirklichkeit nicht zu finden sind. Der freie und losgelassene Zustand ist nur ein Ideal, ein Relativ. Assoziationen sind immer bedingt.

Die Erforschung der Bedingungen der Assoziation könnte ein fruchtbares Unterfangen sein. Was treibt die (möglichst) freie Assoziation? Was schränkt sie ein? Wovon ist sie abhängig?

Kann bewußt angeregte, stimulierte Assoziation die Ergebnisse der Psychoanalyse (wie auch der Improvisation) verbessern? Und was heißt „verbessern“ in diesem Zusammenhang?