Autor: Dokulil

  • Wolfgang Dokulil – MMKMF

    Die Ausstellung vom 27.11.2025 bis 14.12.2025 fand im Atelier des Künstlers statt. Der Titel bezieht sich auf seine Art der Analyse von Kunstwerken: Medium, Material, Körper, Modus, Form. Zu sehen waren Gemälde, digital paintings und Objektkunst.

    Fotos und Video von Vernissage, Finissage und Performance:

  • Alter in der bildenden Kunst

    Eine Darstellung der Zeit im Bild

    Das Thema Alter ist in der bildenden Kunst ein zentrales Motiv, das auf vielfältige Weise interpretiert und inszeniert wird. Es geht dabei nicht nur um die Darstellung alter Menschen, sondern auch um die Reflexion von Vergänglichkeit, Weisheit, Erfahrung, Verfall und der Würde des Lebensabends.

    1. Alter als Thema der Porträtmalerei

    • Altersrealismus: Künstler wie Rembrandt oder Albrecht Dürer zeigten das Alter mit schonungsloser Ehrlichkeit: Falten, müde Augen, gezeichnete Hände werden zu Zeugnissen eines gelebten Lebens. Rembrandts späte Selbstporträts sind hierfür ikonisch.
    • Würde und Autorität: In der Renaissance und im Barock wurden ältere Personen oft als Weisen, Herrscher oder Heilige dargestellt (z.B. Tizians „Papst Paul III.“). Das Alter symbolisierte Autorität und Respekt.
    • Psychologische Tiefe: Moderne Künstler wie Lucian Freud oder Paula Modersohn-Becker erforschten die innere Verfassung alter Menschen, ihre Einsamkeit, aber auch ihre innere Stärke.

    2. Allegorien des Alters

    • Vanitas: Im Barock war das Alter Teil der Vanitas-Motive, die an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern (Schädel, welkende Blumen, Sanduhren). Das Alter steht hier für die Nähe zum Tod.
    • Die Lebensalter: Ein häufiges Sujet, besonders in der Graphik und Malerei des 19. Jahrhunderts. Oft als Zyklus dargestellt (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Greisenalter), z.B. in Hans Baldung Griens „Die sieben Lebensalter“.
    • Der Greis als Symbol: In mythologischen oder biblischen Kontexten verkörpern alte Figuren wie Simeon oder Homer Weisheit und prophetische Gabe.

    3. Künstlerische Stilmittel

    • Farbe und Licht: Kaltes Licht, erdfarbene Töne oder dramatische Hell-Dunkel-Kontraste (Chiaroscuro) unterstreichen oft die Stimmung des Alters.
    • Textur und Material: In der Skulptur wird Alter durch patinierte Oberflächen, Risse oder bewusst raue Bearbeitung sichtbar (z.B. bei Michelangelo oder Rodin).
    • Komposition: Isolierte Figuren, leere Räume oder intime Nahaufnahmen können Einsamkeit, aber auch Kontemplation betonen.

    4. Moderne und zeitgenössische Kunst

    • Sozialkritik: Künstler wie Käthe Kollwitz thematisierten das Elend und die Vernachlässigung alter Menschen in gesellschaftlichen Krisen.
    • Feministische Perspektiven: Künstlerinnen wie Marina Abramović oder Jenny Saville setzen sich mit Altern, Verfall und dem weiblichen Körper auseinander.
    • Abstraktion und Dekonstruktion: Das Alter wird nicht mehr nur figürlich, sondern als Prozess von Zerfall und Transformation gezeigt (z.B. in den verwitterten Skulpturen von Eduardo Chillida oder den verfallenen Architekturbildern von Anselm Kiefer).

    5. Künstler im Alter

    • Altersstil: Viele Künstler entwickelten in ihrer Spätphase einen radikal vereinfachten, oft spirituellen Stil (z.B. Monets Seerosen, Picassos späte expressive Werke, Turners atmosphärische Abstraktionen).
    • Reflexion über das eigene Altern: Künstler nutzen das Selbstporträt, um ihre eigene Vergänglichkeit zu thematisieren (z.B. Freud, Beckmann).

    6. Kulturelle Unterschiede

    • Asiatische Kunst: Alter wird oft als Teil eines harmonischen Naturzyklus gesehen, verehrt und in meditativer Ruhe dargestellt (z.B. in chinesischen Gelehrtenbildern).
    • Westliche Kunst: Ambivalenz zwischen Würdigung und Furcht vor Verfall und Tod.

    Fazit

    Das Alter in der bildenden Kunst ist ein vielschichtiger Spiegel menschlicher Existenz. Es kann als memento mori, als Zeichen von Würde und Weisheit oder als soziales Statement gelesen werden. Die Darstellung hat sich von idealisierten oder moralisierenden Bildern hin zu individuellen, oft schonungslosen und komplexen Porträts gewandelt. Die Kunst zeigt: Das Alter ist nicht nur ein biologischer Prozess, sondern eine kulturell geformte, tief menschliche Erfahrung.

    (KI)

  • MMKMF

    MMKMF ist m/ein Tool zur formalen Analyse von Kunstwerken. Die Anwendung auf meine Kunst will ich hier skizzieren.

    Am Anfang des kreativen Prozesses steht eine Idee und sei es ein Impuls, eine Intuition, ein Klang. Es ist nicht möglich aus dem Nichts schöpfen. Auch das Nichts ist eine Idee. Um den Prozess voran zu treiben, sind Entscheidungen zu treffen.

    Medium

    Meine Medien sind Objektkunst, Malerei, digitale Grafik, Performance, Video. Zur Vermeidung von Selbstwiederholung, Einseitigkeit und Langeweile wechsle ich zwischen den Medien.
    Die performative Verwendung digitaler Bilder erzeugt eine Medienrealität, die eine Verschränkung von Kunstobjekten, Bildern, live Visuals, Körper, Tanz, Performance und Musik ermöglicht (TRIP). Dabei werden Körper und alle Sinne im Raum mobilisiert, wird Gemeinschaft gebildet, anstatt nur passiv und isoliert einer Aufmerksamkeitsökonomie am flachen Bildschirm zu folgen. Diese Vielfalt von Ausdrucksmedien und deren wechselseitige Befruchtung erzeugen immer wieder neue Spannung.

    Material

    Das Material und das Bearbeitungswerkzeug wird von mir nicht nur verwendet, um etwas anderes darzustellen. Das Material verweist hauptsächlich auf sich selbst. Es erhält Objektcharakter. Ölfarbe, Aquarell, Stein, Stahl, Draht, Holz, Textil, Gips, Karton, Gras, oder ein Computerprogramm, Touchscreen, Beamer. Teures, edles Material mit glatter, glänzender Oberfläche sind kein Desiderat.

    Körper

    Bei der Arbeit komme ich ohne großen technischen, maschinellen Aufwand aus. Eine körperliche, haptische Arbeitsweise  ist wichtig. Die körperlich / seelische Verfassung hat Einfluss auf die Arbeit. Die sinnliche Wahrnehmung gibt dem Menschen seinen subjektiven Ort.

    Bei den digitalen Grafiken spielen Körper und Haptik kaum eine Rolle. Diesem Umstand entspreche ich mit radikaler Formreduktion und kraftvollen Farben. Dabei handelt es sich noch immer um Zeichnungen oder Malereien mit dem Stift auf dem Bildschirm. Die Hand bleibt das notwendige menschliche Organ für die Arbeit, nicht die Rechenleistung oder eine industrielle Produktionsweise.

    Modus

    Mein künstlerischer Modus (Gestaltungssprache, Stil) ist experimentell, ungegenständlich, abstrakt, auch expressiv oder surrealistisch. Das Kunstwerk selbst ist Realität. Ein anderer Realismus ist mir fremd, entspricht mir nicht.

    Form

    Definition von Raum, Anordnung von Elementen, Verteilung von Volumen, Proportionen, Richtung von Linien und Flächen, Zusammenspiel von Licht und Farben, Aufbau von Schichten – ich entwickle die konkrete Form in einem sinnlichen, intuitiven Prozess, der von Erfahrung geprägt ist.

    Das Tool MMKMF ermöglich eine formalistische, quasi wissenschaftliche Beschreibung und Analyse des Kunstwerkes. Reflexion kann über die Entstehungsgeschichte und die raum-zeitliche Ordnung im Kunstwerk erfolgen.

    Der Sinn stiftende, soziale, emotionale, subjektive Zugang zum Kunstwerk kann damit nicht erfasst werden. Die gefühlsmäßige Interpretation kann nur jede Person selbst machen, sofern sie sich vom Kunstwerk berühren lässt. Für mich gehören natürlich Lust und Getriebenheit dazu diese Kunstwerke zu schaffen und zu sehen, was sie bewirken. Darüber kann und soll man reden.

    Denn Kunst ist eine Wirklichkeit bildende, Welt und Gemeinschaft erschaffende Kraft. Sie ermöglicht Erkenntnis durch sinnliche Wahrnehmung und Selbstreflexion.

    Die anfängliche Idee schwingt bis zur Fertigstellung mit. Der Titel kann darüberAuskunft geben.

    wodo 2025

  • Lew Tolstoi:

    „Man muß in der Stille schreiben, ohne Hast und ohne die Absicht, es drucken zu lassen.“

  • Jedes Wort

    ist ein Wort zu viel und ein Wort zu wenig.